Kroatische Küste, 05.-07.August 2014

Auch dieses Jahr nutzten wir die Gelegenheit im Vorfeld der Microlight Weltmeisterschaft, einen kleinen Trip zu unternehmen. Durch die zentrale Lage Ungarns bot sich die kroatische Küste an. Gesagt, getan, Viktor hatte wie immer schon eine schöne Route ausgearbeitet und nachdem am Dienstag der Wetterbericht gute Bedingungen angekündigte, stand unserem Vorhaben nichts mehr im Wege. Das Eagle Trike wurde bereits am Montagabend aufgetankt und das wenige Reisegepäck verstaut. Der Flugplan wurde ebenfalls aufgegeben. Start sollte um 7 Uhr ab Flugplatz Matkopuszta sein.

 


Am frühen Morgen weckte uns die Sonne mit Ihren ersten Strahlen und blauem Himmel. Der Wind blies mit ca. 10 bis 15 km aus Nordwest. Nach erfolgtem Vorflug Check starteten wir zu unserem ersten Zwischenziel. Der Flugplatz in Szegede (ca. 85 km südöstlich von Matkopuszta). Viktor hatte im Vorfeld den Zoll für unsere Ausreise dorthin bestellt. Der Flug über die ungarische Puszta war nicht sehr aufregend und so war es gut, dass der Rückenwind für ein schnelles Vorankommen sorgte. Nach ca. 40 Minuten war der Flugplatz in Sichtweite und nach der Landung erwarteten uns schon der Zollbeamte und die ungarische Polizei.

 

 Puszta


 

Flugplatz Szegede (Ungarn)


Nach der erfolgreichen Zollabwicklung wurde der weitere Flugplan eröffnet und wir starteten nach einer kurzen Pause in unsere zweite Tagesetappe, die mit ca. 303 km und 3,5 Flugstunden die weiteste und längste an diesem Tag sein sollte. Nach dem Start ging es in südöstlicher Richtung über Serbien Richtung Bosnien-Herzegovina. Der Wind frischte zwischendurch etwas auf. 

 

Serbien


 

Grenzfluss Serbien zu Bosnien-Herzegovina

 

In Bosnien-Herzegovina stieg das Gelände nun stetig an und wir konnten die weiten Ackerflächen hinter uns lassen. Unser nächstes Ziel am heutigen Tag war der internationale Flughafen von Sarajevo. Die Landschaft unter uns veränderte sich rasend schnell von leichten Hügeln zu massiven Gebirgszügen und im Osten schossen vereinzelt gewaltige Gewitterwolken in die Höhe.

 


Nachdem Viktor seine aktuelle Positionsmeldung an die Flugsicherung übermittelt hatte, herrschte Ruhe am Funk. Zeit um die wunderbare Aussicht zu geniessen. Kurz darauf wurden wir aufgefordert, auf die Funkfrequenz Tower Sarajevo zu wechseln. Es dauerte noch einen Moment, bis mir bewusst wurde, dass wir nicht auf einem kleinen Flugplatz in der Nähe von Sarajevo Station machen werden, sondern dass wir geradewegs auf den internationalen Flughafen Sarajevo einschwenkten. Meine Sinne waren sofort hellwach. Was für ein einzigartiges Erlebnis. An dem zunehmenden Funkverkehr konnte man schon die grossen Airliners erkennen. "LH376 ON FINAL". Und wir mittendrin. Cool. 

 


Nach kurzer Zeit konnte man die Umrisse der in einem Tal gelegenen Stadt Sarajevo erkennen und der Fluglotse wies uns in die Platzrunde ein. 

 


Am Ende des Flughafens ging Viktor in den Queranflug auf die Piste 014. Der kurz zuvor gesehene Airbus der Lufthansa rollte bereits am Taxiway zu den Gates. Noch ein kurzer Funkspruch und Viktor drehte die Yankee Kilo auf die Centerline der Piste. Im Headset ertönte die Stimme des Fluglotsen: "Yankee Kilo, you are cleared to land." Gänsehaut überzog meinen Körper, während das Trike zielgerichtet auf die Landebahn zu schwebte. Das gleiche spannende Gefühl hatte sicherlich auch die Besatzung des vor uns gelandeten Airbus. Tja, was braucht man mehr? Viktor ließ das Eagle Trike auf der schier endlosen Landebahn ausgleiten. Kaum hatte das Fahrwerk den Boden berührt, bekamen wir vom Lotsen die Info, dass wir über Runway Alfa abrollen und auf das "Follow me" Fahrzeug warten sollten, welches uns dann zu unserem zugewiesenen Abstellplatz geleitete.

 

 

Nachdem wir unsere Einreiseformalitäten erledigt hatten, mussten wir uns noch um ein bisschen Sprit kümmern. Da der Wind immer stärker wurde und sich deutliche Gewitterwolken in den Himmel schoben, entschied Viktor noch etwas Sprit zu tanken, um bei den Windverhältnissen gut gerüstet zu sein. Wir organisierten uns einen 20 Liter Plastikkanister und passierten wie alle anderen Fluggäste die Sicherheitskontrolle. Manch einer schaute etwas irritiert, als Viktor mit dem Kanister in die Eingangshalle schlenderte. Na, so wirklich alltäglich ist ein Benzinkanister als Handgepäck eben noch nicht. Aber vielleicht haben wir damit einen neuen Modetrend gesetzt. Ein freundlicher Taxifahrer fuhr uns dann mit seinem klapprigen Mercedes zu einer nahegelegenen Tankstelle. Wir füllten den Kanister und fuhren wieder zum Flughafen zurück. 15 Euro für die Fahrt (ca. 3 km) und 30 Euro für den Sprit. Mit dem vollen Spritkanister und einem Lächeln ging es wieder durch die Sicherheitskontrolle zurück zu unserer Parkposition, um das Trike wieder startklar zu machen. Mittlerweile zogen an den nahe gelegenen Bergen heftige Gewitter auf und einzelne Blitze zuckten über den Himmel.

 

 

Der Airport-Manager faselte in englisch: "Today no flying under VFR rules. Heavy thunderstorms. You must stay here today." Na, das passte nun gar nicht in unseren Plan. Viktor machte sich also daran, im Internet selbst das Wetter zu checken und als er zurückkam, lächelte er: "Es ist stark bewölkt. Richtig. Aber da hinten gibt es ein paar freie Stellen. Das wird klappen." Es gibt 2 Dinge, die Viktor für mich wie kein anderer beherrscht: Fliegen und Wetterkunde. Also, wenn da freie Stellen sind, dann findet er sie und ich sah dem weiteren Flug entspannt entgegen. Somit weiter mit den Startvorbereitungen, damit wir zügig in die Luft kommen. Nach perfektem Start drehten wir sofort von der Gewitterfront weg und begaben uns auf die Suche nach den vorher angesprochenen "helle Flecken". Natürlich erfolgreich. Nur noch vereinzelt hingen einige Wolkenfetzen in den Bergtälern.

 


Nachdem wir die etwas höheren Berg und die örtlichen Regenschauer um Sarajevo hinter uns gelassen hatten, ging es weiter zu unserem nächsten Ziel: die Insel Brac. 

Am Horizont konnte man schon ganz gut die steil aufragende Bergkette erkennen, die das Festland vom Meer trennt. Der Himmel wechselte langsam von Grau auf ein sattes Blau.

Nochmals kurz ein bisschen Höhe machen, über den letzten Kamm gleiten und das Meer öffnete sich vor uns.

 


Während wir noch die malerische kroatische Küste bestaunten, kam am Horizont schon die Insel Brac ins Sichtfeld. Nach der kühlen Luft war es herrlich, die warmen Sonnenstrahlen zu spüren.

 



 

Bei unserem Überflug zeigte sich das Meer ruhig und in einem schönen tiefen Blau. Nach ca. 30 Minuten kam der Flugplatz von Brac in Sicht und wir gingen in den Endanflug. Wir nutzten das Zwischenziel Brac, um uns mit einem kleinen Imbiss und Getränken zu stärken.

 


 

Am späten Nachmittag ging es auf unsere heutige letzte Etappe zurück ins kroatische Landesinnere, nach Siri. Auch hier sind wir von den einheimischen Fliegerklub-Kameraden sehr freundlich empfangen worden. Wir konnten das Trike in den Hangar einstellen, wurden mit Sprit versorgt und zu guter letzt halfen sie uns bei der Hotelsuche.

 



Siri - Blick aufs Hotel


 


 

Für den nächsten Tag war ein Flug zum Nationalpark Plitvicer Seen geplant, aber leider begrüßte uns der Morgen wieder mit schlechtem Wetter und starkem Wind. Die einheimischen Fliegerkameraden rieten uns zuerst wegen der tiefhängenden Wolkendecke ab, empfahlen dann aber einen Testflug, um die Wetterverhältnisse besser beurteilen zu können. 

 


Nach dem Testflug entschloss sich Viktor, das geplante Etappenziel Otocac anzufliegen, aber sicherheitshalber das geplante Highlight, die Plitvicer Seen, auszulassen. Nach etwa vier Stunden erreichten wir durchgeschüttelt und vom Regen durchnässt den Flugplatz von Otocac -  ursprünglich nur zum Auftanken geplant. Doch das anhaltende schlechte Wetter verhinderte jeden Weiterflug und somit die für heute geplante Rückreise nach Ungarn - wir waren also unfreiwillig in Otocac gegroundet. Auch der ansässige Flugplatz Chef "Toni" riet uns vom Weiterflug ab. Natürlich waren wir enttäuscht, aber "Toni" hat uns mit seiner Gastfreundlichkeit den Abend gerettet. Wir bekamen trotz unseres unangekündigten Bleibens ein leckeres kroatisches Essen und eine Übernachtungsmöglichkeit.

 


 

Am Abend klarte das Wetter auf und wir nutzten die regenfreien Abendstunden, um die Gegend um den Flugplatz zu Fuß zu erkunden. Die Sonne spitze über der Hügelkette hervor und tauchte die idyllische Landschaft in ein schönes Abendlicht, was uns für den nächsten Tag auf besseres Wetter hoffen ließ.
 


 


 


 


 


 


 


 


 



 


 


Aber leider kam es mal wieder anders als gehofft. Die Wolken hingen tief und der Himmel öffnete seine Schleusen. Nachdem wir schon einen Tag verlängern mussten, gab es nur ein Ziel: So schnell wie möglich zurück nach Ungarn zu kommen. Immerhin war morgen Deadline für die Registrierung zur Weltmeisterschaft. Nachdem das Trike vollgetankt war, sollte es schon früh losgehen. Die Wettervorhersage für den Rückweg über Zagreb war nicht berauschend. Es war mit starkem Regen und mit heftigem Gegenwind zu rechnen.

Nach ca. 2 Stunden Flugzeit, Zagreb lag bereits hinter uns, besserte sich das Wetter schlagartig und wir erreichten unseren nächsten Zwischenstopp, den Flugplatz von Bielovar, planmäßig. An diesem Platz hatte Viktor den kroatischen Zoll bestellt. 

 



 

Nach einer ausgiebigen Pause, der Zoll hatte uns anscheinend vergessen, beschlossen wir unseren Weiterflug anzutreten. Über die nicht sehr abwechslungsreiche Puszta erreichten wir bei ruhigem Wetter gegen Abend den Flugplatz Matkopuszta - den Austragungsort der diesjährigen Weltmeisterschaft. Während unserer Abwesenheit hatte sich das Camp schon deutlich vergrößert und der Luftraum war gefüllt mit Teilnehmern, die bereits erste Testflüge unternahmen.

 


Nach einer kurzen Platzrunde, insgesamt 14,5 Flugstunden mit ca. 1.200 km, setzten wir also sanft und rechtzeitig vor Beginn der Meisterschaft auf der ungarischen Graspiste auf. Trotz der nicht optimalen Wetterbedingungen war auch diese Reise ein toller, erlebnisreicher Kurzurlaub und eine einzigartige Möglichkeit, den Osten Europas ein Stück weiter kennenzulernen.

 

 

 

 

Bookmarks

BloggerFacebook ShareTwitter