Rumänien, 06. August 2013

Auch dieses Jahr nutzten wir die Gelegenheit im Vorfeld der Microlight Weltmeisterschaft, einen kleinen Trip zu unternehmen. Wer Viktor mittlerweile kennt, ahnt schon, dass er wieder einen kleinen Tagestrip im Reisegepäck hat. Diesmal sollte der Flug drei Länder beinhalten. Ausgangspunkt ist die Slowakei, ein kleiner Abstecher über die Ukraine und schliesslich als Endpunkt die Grenznahe Stadt Oradea in Rumänien. Am Vortag hielten wir ein kleines Briefing und checkten den bereits aufgesetzten Flugplan. Soweit alles gut. Es musste nur noch die Freigabe des Flugplans abgewartet werden - via einer kurzen SMS am Morgen. Das Trike, die Whiskey Yankee Kilo, war aufgetankt und das Reisegepäck sicher verstaut. Am nächsten Morgen erwartete uns ein Bilderbuch-Wetter. Im Camp herrschte noch selige Ruhe als wir uns zum Abflug bereit machten. Mittlerweile war auch die SMS mit der Freigabe eingegangen. Noch kurz den Vorflug-Check durchgeführt und den BMW Boxer behutsam warmlaufen lassen. Dann Startfreigabe eingeholt, Gas geben, abheben und zügig auf Reiseflughöhe steigen. Der Funkkontakt zur Slowakischen Flugaufsicht in Bratislava war ausgezeichnet. Viktor brachte die WY Kilo auf östlichen Kurs zur ukrainischen Grenze.






 
















Nach ca. 20 Minuten meldeten wir unsere Position der Flugsicherung, da wir noch ca. 7 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt waren. Alles lief nach Plan. Plötzlich wurde die vorher freundliche Stimme am Funk etwas energischer und wies und unmissverständlich darauf hin, dass wir keine Freigabe zum Einflug in die Ukraine haben. Sie wiederholte: "Whiskey Yankee Kilo. You are not allowed to entry Ukraine territory!" Eigentlich ist das eine Situation, in der man sich nun ganz verdutzt anschaut. Was in einem Trike natürlich nicht wirklich geht. Also erst mal ein Staunen im Intercom. "Wie bitte? Wir haben doch einen freigegebenen Flugplan!" Nachdem wir die Genehmigung, die wir per SMS bekommen hatten, im Flug nicht vorzeigen können und wir ein Einfliegen und evtl. Probleme nicht riskieren wollten, drehte Viktor ab und nahm Kurs in Richtung Süden zu unserem nächsten Ziel. Den  internationalen Flugplatz von Debrecen in Ungarn - hier waren wir ganz ordnungsgemäß zum Zoll angemeldet. 






















Der Flugplatz war in Sicht und Viktor legte eine Bilderbuch-Landung auf der 2800 Meter langen Asphaltpiste hin. Nach dem Ausrollen hörten wir im Funk, dass wir von einem "Follow Me"-Fahrzeug abgeholt und zum Parkbereich eskortiert werden. Das war eine richtig coole Aktion. Das "Follow me" war kaum größer als unser Trike und wir waren sicher ein interessanter Anblick.






















Nach Erledigung der Formalitäten, Bezahlung der Landegebühren und Zollabwicklung sollte es zügig weitergehen. Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite. Blue Sky und nahezu Windstille. Zum Start durften wir ohne Begleitung rollen und wir hoben wieder ab. Nach einem herrlichen Flug über Ungarn passierten wir ganz unspektakulär die Grenze zu Rumänien und unser Tagesziel erschien am Horizont. Bald darauf drehten wir zur Landung am internatio-nalen Flughafen von Oradea ein. 






















Auf Anweisung des Towers rollten wir zum Gate, wo wir schon vom reichlich vertretenen Bodenpersonal empfangen wurden. Kaum war der Motor abgestellt, wurde uns schon emsig ein dicker Bremsklotz am Vorderrad positioniert. Wow. So was hatten wir auch noch nicht. Aber das ganze ging noch weiter. Um das Trike herum wurden rasch mehrere Warnpylonen aufgestellt. Wir waren perplex. Als wenig später auch noch ein Crew-Bus ankam, fehlten uns tatsächlich die Worte. Zuerst ging es mit dem Bus ins Terminal. Dort machten wir die Zollformalitäten. Dann brachte uns das freundliche Bodenpersonal in das nahegelegene Stadtzentrum. Ein echt toller Service. Freudig überrascht nahmen wir das Angebot dankend an. Und irgendwie auch nichts ahnend, wie das ganze weiter gehen würde. Nach einem ergiebigen Stadtbummel und einem genüßlichem Mittagessen wurden wir um 15 Uhr wieder zuverlässig abgeholt zum Flugplatz gebracht. 





















 

 










































Zurück am Flugplatz musste die WY Kilo für den Rückflug noch voll getankt werden.

Nachdem auf dem Vorfeld das Betanken verboten war, rückte die Flughafen Feuerwehr aus,  um im Falle eines Brandes das kleine Trike zu löschen. Unglaublich. Bei dem enormen Wasserstrahl des Löschfahrzeuges wäre das Trike wohl auch ohne Motor "geflogen" und irgendwo im Dreck gelandet. Wir beugten uns staunend dem Prozedere, denn Tanken musste sein.

 










































Nach dem erfolgreichen Betanken verschwand Viktor mit dem Flughafen-Chef, um unseren Abflug vorzubereiten und die Landegebühren und den Sprit zu bezahlen. Ich verblieb zwischen den Pylonen am Trike. Als Viktor wieder kam, sah er leicht konsterniert aus. Er drückte mir ein Blatt in die Hand. Ohne Worte. Es war eine saftige Rechnung. Die Rumänen stellten uns wirklich alles in Rechnung. Die Fahrt mit dem Crew-Bus, den Hol- und Bring-Service, den Feuerwehr Einsatz und - unglaublich - das bereitstehende Bodenpersonal. Wahrscheinlich auch noch den Sprit vom "Follow me". Zwischen unser Abfertigung und der einer Linienmaschine gab es wohl nur den Unterschied, dass wir kein Catering bekamen.

Puh, das war ein teurer Spaß. Gut, dass wir das erst im Nachhinein erfahren hatten. Denn so konnten wir den Ausflug und den Service wirklich genießen. Aber was soll's. Für uns war es ein einmaliges Erlebnis. So hoben wir also wieder ab. Der Rückflug sollte nach Norden gehen. Der Rückenwind brachte uns zügig zurück über Ungarn zu unserem Startflugplatz in der Slowakei.

 





















Eine letzte kurze Zwischenlandung in Ungarn mit erneutem Zoll musste noch vor dem Weiterflug eingelegt werden.






















Am späten Abend und mit einem Rucksack voller Erlebnisse kehrten wir erschöpft von unserem Rundflug zurück. Dass der geplante Flug in die Ukraine nicht funktioniert hatte, war schade. Nichts desto trotz war es ein wunderschöner Tag. Wir haben viel gesehen und der Service am Flugplatz in Oreade war einmalig. In mehr als einer Hinsicht. Die Reisekasse wurde ziemlich strapaziert, aber wer kann schon erzählen, dass die Feuerwehr mit mehreren Feuerwehrmännern und dem Kommandanten beim Betanken eines UL´s parat stand. Diese Geschichte klingt unglaublich - aber Bilder lügen nicht. Ich freue mich schon auf die nächsten Reisen mit der Whiskey Yankee Kilo......

 

 

 

 

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