Nach Sardinien mit dem Trike (11. - 14.08.2011)


Mitte Februar - der Winter hier in Bayern war recht trübe und die Sonne ließ sich nur selten blicken. Gedanklich waren wir schon bei den anstehenden Meisterschaften, die in diesem Jahr im norddeutschen Borkenberge und in Israel stattfinden sollten. Während in Borkenberge zahlreiche Teams an den Start gingen, wurde die Meisterschaft in Israel aufgrund zu geringer Anmeldungen abgesagt.


Dadurch blieben also einige Tage Urlaub zur freien Verfügung und so plante Viktor einen Trip Richtung Süden, eine schöne Idee - wir fliegen nach Sardinien! Und wer Viktor kennt, der weiß, dass man auf dem Weg zum Ziel immer noch andere schöne Ziele "mitnehmen" kann. Gesagt getan. Kurze Zeit später präsentierte uns Viktor die Flugroute. Auf der Tour nach Sardinien, die Insel, die westlich von Italien liegt reihen sich die Highlights Korsika und Elba wie bei einer Perlenkette in die Routenplanung ein. Alle Mitflieger waren vom ersten Moment begeistert. Mit dem Trike 90 km über das Mittelmeer, vorbei an der Insel Elba, bis nach Korsika und über Sardinien zurück aufs Italienische Festland. Der Abreisetermin rückte immer näher und so war Eile angesagt, die von Viktor erhaltene Checkliste mit allen Reiseutensilien abzuarbeiten. Badehose, T-Shirt und Schwimmweste.... Wieso Schwimmweste? Ach so, wir müssen ja über das Meer. Schon ein mulmiges Gefühl, so ohne Notlandemöglichkeit übers Wasser zu fliegen und so lauscht man dem Motorengeräusche mit größerer Aufmerksamkeit als sonst. Aber bald ist man fasziniert von den traumhaften Aussichten auf tiefblaues Meer, schöne Buchten und sportliche Yachten. Und warum soll der Motor den gerade jetzt zu stottern anfangen, der weiß ja nicht, was wir uns gerade über dem Mittelmeer befinden.

 


 Es kann los gehen. Viktor und C42-Pilot Thomas kurz vorm Start.


 


Pünktlich um 10 Uhr starteten wir von einem kleinem UL-Platz auf dem italienischen Festland zu unserem ersten Zielflugplatz auf Korsika. Nachdem wir eine gute halbe Stunde über dem offenem Meer bei ruhiger Luft fast schon ins Träumen gekommen sind, musste Viktor sich beim Annähern an das Festland mächtig ins Zeug legen. Korsika hat hier eine hoch aufragende Steilküste. Man fliegt sozusagen direkt vom Meer in die Berge, ein unbeschreiblicher Anblick. Die sich aufbauende Thermik und schroffen Berggipfel erzeugen jedoch sehr viel Thermik. Da rüttelte und schaukelte es ganz schön. Wie beruhigend, dass ich mich hier auf Viktor verlassen konnte, der sein Trike wie immer sicher und geschickt durch die Thermikböen steuerte. Mit einem Lächeln im Gesicht, landeten wir sicher auf dem in einem Talkessel gelegenen Flugplatz, der zum korsischen Ort Cortes gehört und nach einer ausgiebigen Pause ging es dann anschließend weiter Richtung Süden. 

 


Viktor in seinem Element: Berge, Berge und nochmals Berge... Jeder Gipfel, der ein bisschen höher als der andere schien, musste überflogen werden.

 

 

Während ich nach Notlandefelder Ausschau hielt, peilte Viktor schon wieder den nächsten Gipfel an. Geschickt nutzte er die Hangaufwinde, um dann im letzten Augenblick mit einem ausreichenden Sicherheitsabstand über die Gipfel hinweg zu gleiten. Im Nachhinein hätte ich ununterbrochen die wunderschöne Aussicht genießen und Bedenken über schroffe Felsen und unsere Höhe einfach ausblenden sollen. Aber aus meiner Perspektive schienen einige Felsen und Bergen einfach höher zu sein als unsere Flughöhe. Ich weiß schon heute, dass mein nächster Gebirgsüberflug als Co-Pilot entspannter laufen wird.

 


Nach gut 1,5 Std. Flugzeit zeigte Viktors Höhenmesser noch gut 8000 Fuß Höhe an und am Horizont rückte das südliche Ende von Korsika in unser Blickfeld. Das schroffe zerklüftete Gebirge senkt sich hier rasch wieder auf Meereshöhe ab. Vereinzelt konnte man in den Buchten schon einige Boote und Yachten erkennen. Zügig ließ Viktor sein Trike im leichten Sinkflug abwärts gleiten. Die starke Mittag Thermik verlor langsam an Stärke und so stand uns ein herrlich entspannter und angenehmer Sinkflug bevor.

  


Vor uns erschien die Meerenge von Korsika nach Sardinien. Es herrschte reger Schiffverkehr.

 

 

Einsame Buchten kamen in Sicht, die nur von der Seeseite erreicht werden können.
 


Ein wunderbarer Tag neigte sich dem Ende. 

 


Die Whisky Yankee im Endanflug auf einem kleinen UL-Platz auf Sardinien. Nach dem freundlichen Empfang auf dem idyllischen Flugplatz und einem kleinen Begrüßungsgetränk wurden die Fluggeräte noch für den nächsten Tag flugfertig gemacht. Ein freundlicher Fliegerkamerad vom hiesigen Verein versorgte uns mit Sprit, so dass einem frühen Aufbruch am nächsten Morgen und heute einer ruhigen Nacht nichts im Wege stand.

 


Der Flugplatzbesitzer organisierte uns freundlicherweise noch eine Unterkunft in einem Hotel direkt am Fährhafen. Nach einem landestypischen Abendessen fielen wir alle erschöpft und mit ganz vielen Eindrücken ins Bett.

 


Am nächsten Morgen ging es bereits sehr früh weiter Richtung Süden. Die Boote und Yachten dümpelten noch an ihren Ankern, während wir bereits durch die ruhige Morgenluft glitten.

 

 

Entlang der Küste flogen wir parallel zu schier endlosen weißen Sandstränden weiter zu unserem nächsten Zwischenstopp und genossen das herrliche Blau des Meeres, das sich bis zum Horizont erstreckte.


Als wir uns dem Flugplatz näherten, konnte man im Funk schon hören, dass an diesem Platz gerade Fallschirmspringer aktiv waren. Unsere Blicke richteten sich sofort aufmerksam in alle Richtungen. Dann, ganz plötzlich, schossen die Springer mit ihren flatternden Schirmen auch schon vor und neben uns vorbei. Wow....was für Verrückte.... Ok, wir schnaufen erst mal durch und nachdem alle sicher am Boden gelandet waren, bereitete Viktor alles für unsere Landung vor. 


 


 

Vom Flugplatzeigner wurden wir herzlich begrüßt und er bot uns für die bevorstehende Nacht einen kleinen Bungalow zur Übernachtung an - was wir gerne dankend annahmen. Seine Mutter kochte an diesem Abend noch landestypische Spezialitäten auf und auch dazu wurden wir eingeladen. So klang der Abend mit einem köstlichen Essen und einem wunderbaren Sonnenuntergang aus. Am nächsten Morgen ging es nach dem Auftanken zügig weiter. Unsere heutige Flugroute sollte bis an das südliche Ende von Sardinien und dann Richtung Osten über Cagliari entlang der Ostwestküste (Costa Smeralda)  bis an die südliche Spitze von Korsika führen. Aber dazu später.

 


 

Nach gut 2 Stunden ruhigem Flug näherten wir uns der Kontrollzone von Cagliari. Um die weit aufs Meer reichende Kontrollzone nicht umfliegen zu müssen, versuchte Viktor auf charmante Weise, die Dame am Tower zu einer Freigabe zum Passieren der Kontrollzone zu bewegen. Die Antwort kam zu unserem Erstaunen recht schnell. Freigabe erteilt.... Whisky, Yankee, Kilo! Wunderbar. Unter Einhaltung der uns zugewiesenen Höhe flogen wir, ständig unter Beobachtung der Dame vom Tower, unseren Kurs. Nach ca. 20 Minuten meldeten wir korrekt das Verlassen der Kontrollzone und konnten unseren weiteren Flug entspannt fortsetzen.

 


 

Nach einem weiteren Bilderbuchflug hiess es für uns dann gegen Abend Abschied nehmen von Sardinien. Von der Nordspitze querten wir die Straße von Bonifacio und erreichten nach ca. 20 km Flug übers Wasser die Südküste von Korsika. Am Flugplatz Propriano landeten wir vor Sunset ein.


 


Wieder wurden wir herzlich gegrüßt und man half uns, eine Unterkunft für die Nacht zu suchen. Leider war Hochsaison und trotz intensiver Suche war keine Übernachtungsmöglichkeit aufzutun. Egal. Dann halt mal eine Nacht unter dem Wing des Eagle Trikes schlafen..und mal keine erfrischende Dusche am Morgen. Was soll's? Der Bart stand uns eh schon mehr als 3-tägig im Gesicht. Irgendwie hatten wir das Rasieren während unseres Abenteuers Sardinien ganz vergessen. Na, immerhin war es mit über 25°C eine tropische Nacht und wir sollten nicht frieren. Kaum mit der Freiluft-Übernachtung abgefunden kam es dann doch anders - wir bekamen ein Dach über den Kopf....

 


 

Mit den vorhandenen Gartenmöbel bauten wir für Pilot Viktor eine Liege. Immerhin musste er am Morgen darauf fit sein und wie üblich den Kurs vorgeben. Verglichen mit der Güte der beiden Bodenschlafplätze von Thomas und mir war der Liegen-Schlafplatz in unseren Augen schon 3 Sterne wert. Ob das allerdings wirklich bequemer war als unsere Bodenlager ist fraglich. Am nächsten Morgen jedenfalls verließen wir den Hanger alle etwas langsamer und gebeugter als sonst.  

 


 

Während der Flugplatz noch im Schlaf lag, starteten wir in den klaren Morgenstunden zu unserer nächsten Etappe. Über Elba, ein letztes Highlight unserer Reise, flogen wir zurück zum italienischen Festland. Mit Landung auf einem Flugplatz kurz hinter der Küstenlinie endete nicht nur der heutige Flugtag sondern auch unser Abenteuer am Mittelmeer.


 


 

Vier Tage durfte ich am italienischen Abenteuer Sardinien, Elba und Korsika teilnehmen. Unvergessen die Flüge übers azurblaue Meer, entlang der unzähligen Traumstrände und verlassenen Buchten. Und das wirklich einmalige Erlebnis, Korsika auf Meereshöhe anzufliegen, zügig den Steigflug einzuleiten, um das über 2.000 Meter hohe schroffe Felsmassiv zu überfliegen, welches Korsika in der Landesmitte dominiert. Nicht zu verachten auch der Sinkflug auf der Rückseite des Felsmassivs wieder zurück auf Meereshöhe, wenn der Wind an der Fläche zerrt. Also, liebe Fliegerkameraden, auf ans Mittelmeer.

 

 

 

 

 

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