Weltmeisterschaft (Microlight und Paramotor) vom 09.-16.08.2014 in Matkopuszta, Ungarn

Nach 2005 (Levroux, Frankreich) findet dieses Jahr nach 9 Jahren endlich wieder eine gemeinsame Meisterschaft von Microlight und Paramotor statt. Mit knapp 170 teilnehmenden Piloten ist das allerdings eine enorme Herausforderung für die Organisatoren. Insgesamt gibt es 40 Teams im Microlight Starterfeld und über 100 Paramotor-Teams.


08.08.2014

Bereits vor dem Wettkampf heisst es anmelden, Papiere prüfen lassen, Fotos für die Ausweise knipsen, Wettkampfnummern abholen und ggf. noch aufkleben. Und abschließend gehts für alle Piloten und Teams noch zum Wiegen. In der Klasse "doppelsitzige Trikes" darf das Gesamtgewicht mit Piloten maximal 450 kg betragen. Das Rettungsgerät wird abgezogen und beeinträchtigt das Gewicht somit nicht. Unsere Jungs hatten hier noch einige Luft zum Limit, was bedeutet, dass man ausreichend Sprit für die Aufgaben tanken darf.

 


 

Am 09.08. vormittags Defueling der Paramotor und Abgabe einer begrenzten Spritmenge für die erste Aufgabe. Dann war auch schon Eile angesagt, denn die Eröffnungszeremonie ist für 10 Uhr angesetzt. Beim ersten Task war ein Dreieck mit Speedlegs zu fliegen und ab einem vorgegebenen Punkt folgte dann "out and return". Der Pilot fliegt nach dem Dreieck eine Strecke, die er sich selbst vorab berechnet und diese auch wieder zurück. Hier ist ganz wichtig, dass man nur so weit raus fliegt, wie man ganz sicher auch wieder zurückfliegen kann, ohne dass der Sprit ausgeht. Hier gab es einige Außenlandungen. Zwei davon auch im deutschen Team, die jeweils mit neuem Sprit versorgt und wieder starten konnten bzw. selbst zum Camp zurück kommen konnten. Bei den Microlights wird die Klasse AL1 leider nicht voll und somit kann hier kein Titel vergeben werden. Alle Versuche, die Klasse noch mit einem ansässigen Piloten aufzufüllen scheiterten. Um 13:30 h startete die erste Navigationsaufgabe, bei der 8 Bilder ausgegeben wurden (siehe Foto). Nach der Aufgabe wurde davon ein Bild durch die Wettbewerbsleitung gestrichen. Bei der Landung musste man auch schon die 1. Ziellandung ohne Motor absolvieren. Hier lief im deutschen Team noch nicht alles perfekt und so wurden beim Abendbriefing der ein oder andere Tipp gegeben. Für morgen heißt es fliegen, fliegen fliegen.


 


 

10.08.2014

Die Flieger müssen bereits um 7 Uhr auf Ihren Quarantäne-Positionen stehen, was bedeutet, dass die Microlight-Piloten ungewöhnlicher Weise mal vor den Paramotor-Piloten unterwegs sind. Der Morgennebel blieb aus und damit beginnt bereits um 07:20 h das erste Team in der Quarantäne zum Rechnen, um nach 40 Minuten in einen ca. 140 km langen Track zu starten, der teilweise unbekannte Legs hat. Maximal sollen 16 Bilder ausgegeben werden. Wow - da frägt man sich schon: "Wo soll man die denn alle hin kleben?" Der Final Point ist bei dieser Aufgabe ein anderer Flugplatz, an dem dann getankt und eine kleine Verschnaufpause eingelegt wird, bevor um 13:30 h dann wohl die Ausgabe der Tasksheets für die nächste Aufgabe startet. Tracklänge ca. 180 km mit wieder maximal 16 Bildern. 

 

Für Paramotor ist der Start erstaunlich spät vorgesehen. Erst um 08:30 h soll der Japanese Slalom geflogen werden - eine Präzisionsaufgabe in der einige Stangen gekickt und andere im Slalom umflogen werden müssen. Die Stangen sind jeweils 2 m hoch, was ein gutes Schirmhandling der Piloten erfordert. Der Start verspätet sich um 45 Minuten und nach den Trike-Klassen und ca. 20 PF1-Piloten wurde die Aufgabe abgebrochen. Die PF1-Klasse konnte um 17:00 h erneut starten. Trotz leichtem Regen flogen die Piloten motiviert durch die Stangen.

 


 

11.08.2014

Hier mal ein Beispiel, wie in einem Task-Sheet eine Aufgabe erklärt wird:

Pilots should place their aircrafts in the quarantine area prepared for the task as briefed. Marshalls will seal the phones and hand out maps and photos for each competitor in the predefined time. Take off from deck, fly to start point (SP) and follow the marked route until final point (FP), than fly back to the airfield in the shortest way possible and proceed to a precision landing with engine off. At the whole length of the track might be timing gates, crossing gates, markers and photos. The gates are 600 m wide. For each timing gate crossed correctly 100 points will be given, with a tolerance of +-5 seconds, for each second over the tolerance -2 point. The tool of the time and elapsed distance measurement will be the track logger. In case that markers and photos are found competitors should mark on the map the exact place and the number or the shape of the feature. After landing the map must be given to the marshals. Each marker or photo marked correctly will score 100 points, with a difference of 2-5 mm will score 0 and with a difference bigger than 5 mm will score - 100 points.

Rechnen in der Quarantäne. Glück, wer bei der stechenden Sonne im Schatten seiner Fläche rechnen kann. Hier spenden die Gyrocopter weit weniger Schatten.


 


 

Zu dieser Zeit waren die Paramotor-Piloten schon unterwegs. Für sie hiess es heute zwischen 6-8 Uhr offenes Fenster zum Start in eine Navigationsaufgabe (Turn- and Waypoint Jagd).


 

12.08.2014

Nachdem bei der Paramotor-Aufgabe Japanese Slalom bei der Zeitmessung leider vergessen wurde, auch die Zehntel-Sekunden zu notieren, muss die gesamte Aufgabe wiederholt werden. Am Nachmittag gibt es noch eine Navigationsaufgabe, dieses Mal müssen auch die Paramotor-Piloten in der Quarantäne rechnen und sind bei ihrer Planung somit auf sich alleine gestellt. Microlight hat eine Economy-Aufgabe zu bewältigen. Belastet wird die Stimmung heute von einer Abstimmung, zu der nur die Teamleader eingeladen wurden. Es steht spitzt auf Knopf, dass die Weltmeisterschaft abgebrochen und somit nicht gewertet wird. Grund dafür ist, dass der Wettbewerbsleiter alle wichtigen Wendepunkte, Tore etc. mit Karte und nicht mit GPS festgelegt hat, was jedoch in den Regeln klar vorgeschrieben wird. Letztendlich brachte die Teamleader-Abstimmung die Entscheidung, dass die Lösung mit der Karte akzeptiert wird und diesbezüglich keine Complaints oder Proteste eingereicht werden. Der Wettbewerbsleiter Microlight ist ein sehr erfahrener Pilot und muss die Punkte trotz Kartennavigation wohl ziemlich exakt angeflogen haben. Bei den Paramotor sind die Wertungen immer noch sehr spärlich und die ausgegebenen Listen meist fehlerhaft. 


 

13.08.2014

Paramotor hat heute früh wieder eine Präzisionsaufgabe: Fast/Slow. Hier wird eine Strecke von 4 Stangen im Abstand je 50 Metern erst so langsam, dann so schnell wie möglich durchflogen, die Stangen dabei gekickt. Wichtig ist es hier, nicht nur die langsamste und schnellste Zeit zu haben, sondern eine möglichst große Differenz zwischen den beiden gemessenen Zeiten vorzuweisen. Hier ein deutscher PF1-Pilot im langsamen Anflug auf die Zeitstange.

 

 

Hier ein Foto, wie die Aufgabe Fast/Slow direkt nochmals am Startfeld aushing:

 


 

Bei Microlight heisst es heute mit limited fuel, also begrenzter Spritmenge, (z.B. Doppelsitzer Trikes bekommen 10 kg Sprit) möglichst viele vorgegebene Wendepunkte in einer frei zu wählenden Reihenfolge abzufliegen. Wichtig ist hier auch, den jeweiligen Wind im Voraus zu berechnen, der einem auf dem Track entweder als Rückwind beflügelt oder als Gegenwind mal ganz schnell zu viel Sprit kosten kann.


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 

14.08.2014

Aufgrund der angekündigten schlechten Wetterbedingungen gibt es heute einen freien Tag für die Paramotor-Piloten. Die nicht so windanfälligen Microlights bekommen gleich 2 Navigationsaufgaben. Die erste startete sehr früh wieder mit dem Rechnen in der Quarantäne, dann ging es auf Strecke. Der Track startete mit einem Kreisbogen, auf dem ein Foto die Abzweigung zum nächsten Kreisbogen anzeigte. Auf diesem zweiten Kreisbogen lag ein Marker (entweder H, K, T). Von diesem Marker ging eine Freihandkurslinie zu einem Final Point. Die Raffinesse in dieser Aufgabe war, dass in der Originalkarte insgesamt drei Marker mit anschließenden Freihandkurslinien eingezeichnet waren. Das heißt, wer den ausgelegten Marker auf dem Kreisbogen nicht fand, konnte Risiko spielen und eine der drei eingezeichneten Linien zum Abfliegen wählen, immerhin eine Drittel Chance, den richtigen Kurs glücklicherweise doch noch zu erwischen. Die ausgegebenen Fotos konnten jedoch nur auf dem Kurs gefunden werden, den der einzige korrekte Marker einleitete. Vom Final Point ging es dann auf einen anderen Flugplatz. Dort musste eine Touch-and-Go-Landung mit Motor in einer 6m-Box absolviert werden. Aufgrund von starken Windturbulenzen war dies extrem schwer. Die deutschen Piloten trafen leider nicht. Mit dem Abheben aus der 6m-Box startete die neue Aufgabe und ab hier hiess es, 8 neue Bilder zu suchen. Hier war es wichtig, sich während dem Flug zu organisieren. Alte Bilder weg, neue auflegen. Am besten hatte man das schon in der Quarantäne am frühen Morgen vorbereitet. Nach insgesamt ca. 170 km kamen die Piloten wieder nach Matkopuszta zurück. Zum Abschluss war hier noch eine relativ entspannte Decklandung hinzulegen. Dieser Tag war für alle Piloten eine ziemliche Herausforderung. Erschwerend bei allen Flügen war, dass das Kartenmaterial nicht unbedingt auf dem aktuellen Stand war. So gab es Wälder, die bereits gerodet waren, andere, die neu hochgewachsen sind. Auch kleine Seen waren verlandet oder sind neu entstanden. Was als ziemlich sicherere Navigationshilfe herangezogen werden konnte waren Flussläufe. Hier der Kurs mit Bilder vom ersten Track vorbereitet auf dem Kartenbrett. 

 


 

15.08.2014

Für heute sind die letzten Wertungsflüge angesetzt. Die Auswertungen für Microlight laufen Dank Umstellung auf ein anderes Auswerteprogramm relativ gut, während bei Paramotor immer noch das Chaos Oberhand hat. Und das obwohl Paramotor gestern keine neuen Wertungen mehr erflogen hat und das Auswerteteam somit einen ganzen Tag Zeit für die Aufarbeitung hatte.

Paramotor hat heute eine Wendepunkt-Aufgabe mit Schwerpunkt auf Zeitwertung. Es sind möglichst viele Wendepunkte abzufliegen, wobei vom Start- zum Finalpoint maximal 75 Minuten auf der Uhr stehen dürfen. Wer bereits 1 Sekunde nach 75 Minuten ankommt erhält 50% Penalty. Ab 10 Minuten Verspätung gibt es sogar 100% Penalty. Hier heisst es also klug zu handeln und nicht auf volles Risiko zu gehen. Die deutschen Piloten meistern diese Aufgabe zwischen hervorragend und "ich-ärgere-mich". Im Nachhinein wollte der Wettbewerbsleiter hier noch einen zweiten Final Point gelten lassen, weil ca. 600 m neben dem korrekten Final Point ein ähnlich aussehender Punkt lag. Insgesamt hatten 20 Piloten den falschen Final Point angeflogen. Letztendlich blieb es bei der Wertung des korrekten Final Points. Eine Abänderung der Aufgabe hätte das Auswerteteam und den Wettbewerbsleiter wohl auch mit einer Flucht von Complaints vollständig überrollt.


 


 

Im Anschluss an die Navigationsaufgabe steht bei Rückkehr der Paramotor-Piloten am Flugplatz noch eine Präzisionsaufgabe an: Bowl landing. Hier müssen maximal 5 weiche Kegel im Abstand von je 1 m umgetreten werden. Der Piloten muss hier die Gleiteigenschaften seines Schirmes genau kennen, denn diese Aufgabe ist mit abgestelltem Motor zu meistern. Die besten Deutschen schaffen hier fantastische 4 Kegel, manche landen leider vor dem Zielfeld und bekommen 0 Punkte. Das Bild hier zeigt einen französischen PF1-Piloten, der nahezu mühelos 5 Kegel trifft und damit eine hervorragende Leistung zeigte. 


 


 

Microlight schließt die Meisterschaft mit einer zuschauerwirksamen Aufgabe ab: Short-Short. Hier geht es darum, mit möglichst geringem Anlauf über ein 1 m hohes Hindernisband zu starten und nach einer kleinen Runde so kurz wie möglich hinter dem Hinternisband zu landen. Das Landefeld hat maximal 100 Meter und darin muss man stehen bleiben. Wer darüber hinaus rollt, hat für die Landung 0 Punkte. Die deutschen Piloten bringen hier sehr gute Leistungen. Hier das Team Wyklicky/Harsch in voller Konzentration bei der Landung übers Hindernisband.


 


 

16.08.2014

Die Siegerehrung, angesetzt für 10:00 h vormittags, verspätet sich Stunde um Stunde. Um 18 Uhr ertönt dann die Rockhymne "We are the Champions" und eröffnet die Siegerehrung für Microlight. Das Team Wyklicky/Harsch erhält für ihren tollen 10.Platz (bei 20 internationalen Teams) eine Urkunde und ein Shake-Hand vom ungarischen Wettbewerbsleiter Vince Ferinc.


 


 

Für Paramotor gibt es leider immer noch nicht alle Wertungen. Zudem hängen weiterhin fehlerhafte Auswertungen aus. Deren Siegerehrung wird wieder verschoben. 18, 20, 22 Uhr. Mittlerweile sind viele der Sieger sowie die meisten Teilnehmer und das deutsche Team abgereist. Erst nach 23 Uhr leitet auch hier der Song "We are the Champions" die Siegerehrung ein. So frisch wie die Kühle der Nacht so ernüchternd ist auch die Zeremonie. Die Siegermedaillen werden von einer jungen Frau entgegen genommen, einmal auch von einem verbliebenen Teamleader. Eine würdige Ehrung für Sieger sieht anders aus. Ich hätte mir hier einen feierlicheren Abschluss für die tollen Leistungen unser deutschen sowie aller anderen Piloten gewünscht. Hier das Teamfoto vom Nachmittag, bei dem unsere Paramotor-Piloten dem deutschen Microlight-Team Beifall geklatscht haben. Es war ein tolles Team und eine super Stimmung im deutschen Camp. Schade, dass es in den nächsten Jahren wohl wieder getrennte Wettkämpfe geben wird.

 


 

Aufgrund der späten Siegerehrung war es für uns nicht möglich, noch eine erste Etappe Richtung Heimat zu fliegen bzw. zu fahren und so blieben wir noch eine Nacht in Matkopuszta. In ganz kleinem Kreis aßen wir noch zu Abend und genossen nochmals einen wundervollen Sonnenuntergang. Am nächsten Morgen ging es für uns in einem Stück zurück nach Bayern, während Viktor's Route noch die Highlights Balaton, Österreich und Überflug der Zugspitze aufwies.

 


 

 

 

 

 

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